Kirche im Miteinander von Gemeinde und Kommunität

Die evangelischen Kirchen haben allen Grund, den Reichtum wiederzuentdecken, der im gemeinsamen Leben und seiner authentischen Spiritualität liegt. Es ist Zeit, dass „Kirche im Miteinander von Ortsgemeinde, Kommunitäten und Bewegungen“ gestaltet wird. Das LKF-Buch mit diesem Titel stellt Schweizer Gemeinschaften und Netzwerke vor.

Im ersten Teil des im Theologischen Verlag Zürich erschienenen Bandes wird das Beziehungsfeld zwischen Kirche und Gemeinschaften grundsätzlich reflektiert. Hans Corrodi, der im Landeskirchen-Forum den Anstoss zum Buch gab, setzt bei der Gabe der Freundschaft an, mit der Jesus seine Nachfolgerinnen und Nachfolger zusammenbindet. Innerevangelische Lernprozesse seien angesagt, denn jede Kirche und jede Bewegung bedürfe der Ergänzung. „Die kirchlichen Lager und Konfessionen tun gut daran, das bekannte Bild von Splitter und Balken aus der Bergpredigt auch auf sich selbst zu beziehen“ (20).

Den reformierten Grundsatz von der ‚ecclesia semper reformanda‘, der Kirche, die sich gemäss der Schrift ständig erneuern lässt, münzt Corrodi in die nüchterne Mahnung, keine Kirche solle sich „selbstherrlich gebärden. Sie stelle sich vielmehr selbstkritisch ihren eigenen Defiziten, lerne zuzuhören und nach dem ihr noch Fremden und Ungewohnten zu fragen“ (21).

Unterwegs sein und beten
Vielfältige Anregung dazu bietet der Band mit 18 kurzen Texten, in denen sich Gemeinschaften, Bewegungen, Netzwerke und neuere Initiativen selbst beschreiben: von älteren Schwesternschaften (etwa die Diakonissen von Saint-Loup VD mit ihrem Gebetsberg) über Gebetshäuser und jüngere Kommunitäten (Stadtkloster Basel, Ensemble Riehen) bis zum Evangelischen Gemeinschaftswerk EGW im Kanton Bern, zu „Gebet für die Schweiz“ und den reformierten Fokolare in Zürich.

Das Buch lädt auch zur Reise nach Iona ein. Die vor Schottland liegende Insel wird laut Christa-Maria Jungen als Ort wahrgenommen, „wo sich Himmel und Erde berühren“. Zwanzig auf der Insel lebende Christinnen und Christen bilden den Kern der „Iona Community“, die nicht durch kommunitäres Leben am Ort, sondern durch periodische Treffen, gemeinsame geistliche Übungen und eine „Spiritualität der Wanderschaft“ geprägt ist.

Prozesse und einigende Erfahrungen
Diesen Kurzportraits vorangestellt sind vier grössere Texte: Hans Corrodis bereits erwähntes Plädoyer für eine lernende, kollegial geleitete und sorgfältig feiernde Kirche, eine Beschreibung des Wegs des „Forums Evangelischer Ordensgemeinschaften in der Schweiz“ durch Sr. Doris Kellerhals und von Erfahrungen, die evangelische und katholische Bewegungen im Netzwerk „Miteinander für Europa“ gemacht haben (Peter Dettwiler).

Lesenswert ist auch Heiner Schuberts Rückblick auf 30 Jahre Kommunität Don Camillo. 1977 begannen drei Paare, der Vision einer Familienkommunität Gestalt zu geben. Wer das bekannte Zentrum der Gemeinschaft in Montmirail bei Neuenburg aufsucht, erlebt einen christlichen Lebensstil und Gemeinschaft, die über eine Generation erarbeitet werden mussten. Schubert nennt Schlüssel für die Beständigkeit der Kommunität: „Der Ruf in die Nachfolge ist nicht verhandelbar… Um die gemeinsame Basis – die Beziehung zum Auferstandenen – zu stärken und zu nähren, feiern wir Abendmahl. Nicht jeden Sonntag, aber regelmässig“ (64). Um die Beweglichkeit der Gemeinschaft zu erhalten, hat Don Camillo sich daran gemacht, „das Prinzip der Anciennität, das allen Organisationen – bewusst, oder unbewusst – eigen ist, zu überwinden. Es bleibt eine Herausforderung.“

Alfred Aeppli, Hans Corrodi, Peter Schmid (Hrsg.):
Kirche im Miteinander von Ortsgemeinde, Kommunitäten und Bewegungen

Theologischer Verlag Zürich, 2011, 178 Seiten, Paperback
ISBN 978-3-290-17577-1
Im Buch blättern
Das Buch bestellen

LKF-Tagung zum Thema

Zurück zur Übersicht
Autor: Peter Schmid     bereitgestellt: 21.12.2011