Kirche als Gottes Baustelle

Gott der Vater hat das Heil der Menschen auf seinem Herzen und zieht sie in sein Reich hinein. Die umfassende Erneuerung – des Einzelnen, der Gemeinde, der Gesellschaft – geschieht in diesem Horizont. Eine Hommage an den Winterthurer Pfarrer Geri Keller versammelt Impulse und Echos aus einem weiten Kreis.

Die Dankesgabe an Geri Keller zu seinem 80. Geburtstag 2011 zeichnet Leben und Wirken, die theologischen Akzente und den geistlichen Parcours eines der prägnantesten Schweizer Pfarrer der letzten Jahrzehnte nach. Den Titel des 400-seitigen Bandes bildet das charakteristische „Verstasch?“, mit dem Keller in Gespräch und Predigt signalisiert, dass er das Evangelium existenziell aufgenommen und sein Gegenüber ganz – denkend und glaubend – bei sich haben will. „Er möchte, dass Menschen in ihrem ganzen Sein von Gottes Kraft und Erbarmen ergriffen, verändert und für den Dienst im Reich Gottes befreit werden“, fasst Ernst Gysel im Vorwort das Grundanliegen des Pfarrers.

Im Spiegel der Freunde
Nach einem Strauss von Gratulationen – die erste von Ruedi Reich - zeichnet Walter Wieland die Winterthurer Herkunft und den Lebensweg von Geri Keller nach. 40 Brüder und Schwestern aus dem reformierten und charismatischen Umfeld schildern „prägende Begegnungen“ – der Hauptteil des Buchs. Geris Frau Lilo und der Sohn Andreas schliessen ganz persönliche Würdigungen an. Michael Herwig, langjähriger Mitarbeiter der von Kellers gegründeten Stiftung Schleife, führt in Geris Theologie ein. „Bei ihm wird immer noch alles einmal neu aus dem Herzen Gottes und dem eigenen Herzen geboren.“

Keller hat als prophetisch ausgreifender Denker, Brückenbauer, Beter und geistlicher Vater zahlreiche Christen und Christinnen herausgefordert und begleitet. Im letzten Viertel des Buchs finden sich neun Botschaften aus zwanzig Jahren – das gepredigte Vermächtnis. Der Band stellt Facetten des wuchtigen Charismatikers zusammen, um einem weiteren Kreis die Auseinandersetzung mit ihm zu ermöglichen, der laut Vorwort „von vielen gelobt, oft aber auch missverstanden und kritisiert wurde“.

Der Zerbruch des ‚guten Pfarrers‘
Das Leben von Geri Keller weist markante Zäsuren auf. Nach sieben Jahren engagierter Pfarrtätigkeit in Bauma (in einem Passionsspiel mimte er selbst den Christus) zerbrachen 1964 sein Pfarrerideal und seine erste Ehe. Erst fünf Jahre später wagte er sich wieder ins Pfarramt, doch übernahm er sich, inzwischen mit Lilo verheiratet, erneut in seinem Helfenwollen. Ein von ihm betreuter Drögeler leitete die „Lebenswende“ 1975 ein. 1976-81 arbeitete Geri Keller als Prediger, Seelsorger und Gassenarbeiter der Lukasgemeinde in Frankfurt am Main; es folgten zehn Jahre in Winterthur-Seen. 1992 schied er aus dem Pfarramt aus, um sich in der neugegründeten Stiftung Schleife ganz der Seelsorge und Schulungsarbeit zu widmen und „prophetisches Gebet“ zu entwickeln.

„…das ist erst der Anfang“
Im Ganzen ging und geht es Geri Keller darum, bei anderen „tiefgreifende Prozesse“, innere Veränderungen, zu fördern, wie er sie an sich erlebt hatte, und sie auf das kommende Reich Gottes auszurichten. Wie er dies meint, erhellt aus einem Zitat von 2006: „Es ist eines, dass wir unsere Schuld zum Kreuz bringen und Jesus uns abwäscht mit seinem Blut. Aber das ist nicht das Ende, sondern das ist erst der Anfang. Durch das Kreuz müssen wir hindurch, damit das Harte in uns immer wieder zerbrochen wird. Aber wir müssen dann auch hinein in das Land, das uns Gott verheissen hat – das ist unser Erbe!“

Herwig unterstreicht, dass es Keller um mehr als persönliche Erneuerung und Gemeindebau geht: um den Bau des Reiches Gottes in der Gesellschaft, diakonisch helfend, durch priesterliche Dienste, durch prophetisches Gebet und öffentliches Auftreten – auch wenn dies Nachteile oder Leiden mit sich bringt.

Walter Wieland (Hrsg.):
"Verstasch?"
Impulse aus dem Leben von Geri Keller
Schleife Verlag, Winterthur, 2011, 393 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-905991-04-8
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Autor: Peter Schmid     bereitgestellt: 21.12.2011     Besuche: 16 Monat