
Mit Müttern und Vätern im Gespräch: Peter Wilhelm an der Familienmesse in Winterthur 2009.

Träumt von der Gemeinde, die Gotte, Götti und Grosseltern einbezieht: Peter Wilhelm.

Ganzheitlich aufbrechen: Lisbeth Zogg am Thementag der Berner Positiven Synodefraktion, September 2010.: Ganzheitlich aufbrechen: Lisbeth Zogg am Thementag der Berner Positiven Synodefraktion, September 2010.
| Die bedeutendste reformierte Initiative für Familienarbeit ist das Netzwerk Familien-Generationen-Kirche. Das LKF hat mit Peter Wilhelm gesprochen, dem Familien-Beauftragten der Zürcher Landeskirche. Weder die Infrastruktur noch ihre Angebote allein machen eine Kirchgemeinde schon familienfreundlich. Peter Wilhelm, Erwachsenenbildner mit TDS-Abschluss, betreut die Zürcher reformierte Fachstelle für Familienarbeit seit 2003. Er weiss: „Oft wird in Angeboten gedacht: Man will besser werden, indem man einen Familiengottesdienst anbietet. Dabei hinkt man dem, was man gern haben würde, dauernd hintendrein: In der Regel gibt es zu wenig Freiwillige und Räume und die Mitarbeitenden sind überlastet.“ Es genügt nicht, die Kleiderhaken tiefer zu hängen Die Familien-Generationen-Kirche ist ein Netzwerk mit festen Teilnehmern in vier Kantonalkirchen. Die Idee entstand um 2001, als Lisbeth Zogg und Vreni Burkhard an zwei Tagungen die Familientauglichkeit von Kirchgemeindehäusern in den Blick nahmen. Da wurde laut Wilhelm klar: „Einen Kleiderhaken 50 cm tiefer zu hängen, macht ein KGH noch nicht familienfreundlich.“ Zu den beiden Frauen aus Bern und Zürich stiessen Aargauer und St. Galler. Die Beauftragten für Familienarbeit der vier Kirchen bilden heute die Leitungsgruppe des Netzwerks. Sie treffen sich vier- bis fünfmal jährlich zum Austausch: „Wenn in einer Landeskirche etwas entsteht, suchen wir es gegenseitig nutzbar zu machen.“ Wollen wir familienfreundlich werden? Das Netzwerk arbeitet mit einem Viersäulen-Modell, in dem die Angebote die vierte Säule darstellen. „Zuerst kommt die Haltung, die Identität: Will man als Kirchgemeinde mit Familien etwas machen? Oder ist es ein Lippenbekenntnis, etwa wegen des Leitbilds? Familienfreundlich wird eine Gemeinde nicht ohne weiteres – es gibt Umtriebe, Lärm, Kosten, auch Konflikte zwischen den Generationen. Will man das überhaupt?“ 1. Identität Darum soll laut Wilhelm die Behörde zuerst über das eigene Kirchenbild nachdenken: „Was für eine Kirche wollen wir für wen sein?“ In der Regel stehen ganz unterschiedliche Vorstellungen im Raum. „Bei Familie denken die einen an ein Ehepaar mit zwei Vorschulkindern, andere an Leute in den 50ern mit betagten Eltern, andere an Patchwork-Familien und Alleinerziehende. Die Frage ist: Mit was für Familien möchten wir wie unterwegs sein?“ Das Netzwerk hilft den Verantwortlichen, genau hinzusehen und auch konfessionell gemischte Familien und Alleinerziehende wahrzunehmen. 2. Abläufe, 3. Räume Ist die Haltung der Kirchgemeinde geklärt, gilt es betriebliche Abläufe zu verbessern (2. Säule): Ist der Sigrist fürs Reinigen da – oder auch Gastgeber? Wie ist man im Kontakt mit Familien, wie geht man auf sie zu? Wie einfach kann eine Familie den 80. Geb von Tante Hildi feiern? Als 3. Säule sieht das Netzwerk Räume, nicht allein den Kirchenraum, sondern auch das KGH und die Umgebung. „Wir denken, dass unsere Haltung (1. Säule) in den Räumen sichtbar wird. Wenn wir wollen, dass Teenager sich bei uns wohl fühlen, darf das Unti-Zimmer nicht den Charme einer Garage haben! Räume sind der Prüfstein – dort sieht man, was gelebt wird.“ Das Netzwerk hat einen Leitfaden zur bewusst familienfreundlichen Nutzung und Veränderung von Räumen erstellt. Beziehungen zwischen den Generationen Arbeitet das Netzwerk daran, dass die Kirchgemeinde sich mehr als Familie versteht? Für Wilhelm geht es um Beziehungen, zu Paten auch und zur Grosselterngeneration. „Ich träume von einer Kirchgemeinde, die ganz neu Gotte, Götti und Grosseltern ins Nachdenken hineinnimmt.“ Familiäre Solidarität unterscheidet sich vom Miteinander in einer Firma: „Mir geht es nicht gut, ohne dass es dir auch ziemlich gut geht.“ Die Kirchgemeinde Stäfa baut ein Generationennetz auf: Jedes Kind soll eine Bezugsperson aus der Grosselterngeneration – ausserhalb der eigenen Familie – haben. In Stäfa arbeitet man daran, dass Beziehungen in unruhigen Zeiten halten und nicht abbrechen. Peter Wilhelm erwähnt auch Gossau ZH, wo Freiwillige sich motivieren liessen, diakonisch für Familien tätig zu sein: Eine Mutter nimmt nicht betreute Nachbarskinder zwei- bis dreimal in der Woche an ihren Mittagstisch. „Die beiden Gemeinden, die seit langem eine starke Kinder- und Jugendarbeit haben, entdecken sozusagen die Familienarbeit neu. Man sah lange das Kind, den einzelnen Jugendlichen – jetzt sieht man die Eltern, die alleinstehende Mutter, den Bruder…“ Durch die religionspädagogischen Angebote des rpg hat jede Zürcher Kirchgemeinde viele Kontakte. Sie gelte es nun auch für Familienarbeit zu nutzen. |
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