
Muslime stellen fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung.

Einzigartig: islamische Architektur in Isfahan, Iran.

Islamische Literatur an der Frankfurter Buchmesse.
| Christentum und Islam haben im Judentum ihre gemeinsamen Wurzeln. Alle drei Religionen stammen ab von Abraham, dem gemeinsamen Stammvater, haben sich aber sehr unterschiedlich entwickelt. Christentum und Islam verbindet eine leidvolle Geschichte. Zeiten friedlicher Koexistenz wechselten mit Zeiten grausamer Unterdrückung und Vernichtungskriege. Zwei Religionen mit Ähnlichkeiten und ebenso vielen Differenzen. Da sind grundsätzliche Fragen, an denen sich vieles entzündet. Z.B.: Haben die beiden Religionen den gleichen Gott? Oder: Welche Rolle spielt die kritische Vernunft in der Auslegung der Heiligen Bücher? Oder: In welchem Verhältnis stehen Religion und Staat zueinander? Mit der massiven Zuwanderung von Muslimen nach Europa hat die Schärfe der Auseinandersetzungen in jüngster Zeit eindeutig zugenommen. Müssten die demokratischen Rechte nicht auch für Muslime gelten? Kann ein demokratischer Staat den Andersgläubigen die Anerkennung als Religionsgemeinschaft verweigern? Im Westen hört man oft: "Solange Christen in muslimischen Staaten diskriminiert und verfolgt werden, dürfen wir nicht naiv sein. Verstösse gegen die Menschenrechte müssten überall geahndet werden. Die Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht – auch in muslimischen Staaten." Unbestritten ist, dass es christliche Gemeinschaften in muslimischen Gesellschaften schwer haben. Im Aufeinandertreffen der beiden Religionen kann man auch eine Chance sehen. Das liberale Christentum Europas hat sich derart in den privaten Raum verflüchtigt, dass es gesellschaftlich kaum mehr wahrgenommen wird. Eine Kirche, die sich mit Innerlichkeit und Spiritualität zufrieden gibt, hat die Schärfe der Botschaft verraten. Im Islam aber bildet die Religion das Fundament von Recht, Kultur und Gesellschaft und beansprucht Öffentlichkeit. Der schwerwiegendste Unterschied liegt wohl in der Einstellung zur Gewalt. Muslimische Völker haben von Allah den Auftrag, über die ganze Welt zu herrschen. Dieser Herrschaftsauftrag kontrastiert mit dem Verkündigungsauftrag des Evangeliums. Dort, wo Christen in der Vergangenheit ihren Glauben mit Gewalt ausbreiteten, handelten sie gegen den Willen ihres Gründers. Die Bergpredigt Jesu verbietet die Anwendung von Gewalt. Das Reich Gottes beruht auf Hingabe, Nächstenliebe und Solidarität. Der moderne Islam kann sich der Frage nach der Einstellung zur Gewalt nicht entziehen. Denn wo ein entfesselter Islamismus "im Namen der Religion" mit Terror und Menschenverachtung alles niedermetzelt, gibt es nur Verweigerung. Wird der Islam dazu die Kraft aufbringen, um sich von den Hasspredigern zu distanzieren? |
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