Die beiden Hände Christi

hc. Kirchenleitungen und Pfarrkonvente sind schlecht beraten, wenn sie die evangelischen Werke mit sichtbarer und gelebter Nachfolge gering achten. Die Diakonie ist nicht Magd einer Kirche des Wortes, sondern beansprucht als die andere Hand Christi einen eigenständigen Platz.

Deshalb wird eine kluge Kirche die Gemeinschaften und Bewegungen einladen, unter ihrem Dach solidarisches Leben zu verwirklichen, um miteinander einer verwilderten Gesellschaft Orientierung zu bieten. Eine säkularisierte Kirche rettet sich nicht mit Sozialarbeit. Sie braucht Kommunitäten und Bewegungen als sichtbare Orte der Gottesliebe und des Gebets.

Nur beide Hände zusammen führen die Kirche Christi zurück zu Schönheit und Präsenz: Schönheit in einer neu zu erlernenden leiturgia der gottesdienstlichen Feier und koinonia im Gottesdienst des Alltags.

Persönlichkeit entwickeln
Das gemeinsame Leben ist verbunden mit Opfer und Verzicht und setzt dem Individualismus Grenzen. Es geht nicht ohne den Willen zur Veränderung und charakterlichen Reifung. Heutige Kommunitäten setzen ihre Akzente gemäss den ihnen verliehenen Charismen. Das befähigt sie zu einem kompetenten – und fragilen – Zeugnis in der Gesellschaft.

Die Verherrlichung des autonomen Menschen in den westlichen Gesellschaften führt vielfach zu Beziehungsunfähigkeit und Überdruss. Als reformierte Kirche werden wir heute einen Weg zwischen Kollektiv und Individuum suchen. Dabei bleiben wir auf ein lebendiges Mit- und Ineinander von Institution und Bewegung angewiesen.
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Autor: Peter Schmid     bereitgestellt: 18.08.2011     Besuche: 40 Monat