| Die Verfassung des SEK soll gesamthaft revidiert werden; dies gibt Anlass zu tiefer gehenden Debatten über die Zukunft der Reformierten und ihr Kirchenverständnis. Im Juni 2007 gaben die Mitgliedkirchen in der AV dem Rat des SEK den Auftrag, in einem Bericht darzulegen, wie er und die Mitgliedkirchen „die zukünftige ekklesiologische Bedeutung des Kirchenbundes“ und die rechtlichen Optionen sehen. Dabei sollte auch klar werden, welche Konsequenzen bei anderen Strukturen auf die Mitgliedkirchen zukommen. Die Abgeordneten beschlossen, die Arbeiten an der Verfassungsrevision zu gliedern. Der Rat wurde verpflichtet, jede Etappe vorgängig genehmigen zu lassen. Im April 2010 wurde der Bericht des SEK-Rats ohne Vorwort ins Internet gestellt und eine Vernehmlassung eröffnet. Im November soll die Abgeordnetenversammlung das weitere Vorgehen beschliessen. Als Entscheidgrundlagen dienen unter anderem Ergebnisse einer Organisations- und einer soziologischen Umfeldanalyse. Zum einen wurden Verantwortliche reformierter Kirchen schweizweit nach ihren Ansichten befragt, zum anderen konfrontierten zwei Soziologen die Reformierten mit dem veränderten Umfeld und den Entwicklungen, die zu gewärtigen sind. Die derart gebotene Innensicht und Aussensicht kontrastieren hart. Innensicht: „Grosses Vertrauen“ Die Fragen zur Organisation wurden von 161 Personen beantwortet. Prioritär ist für zwei Drittel ein „stärkeres Bewusstsein im Kirchenbund, miteinander Kirche zu sein“. Deutlich schwächer gewichtet werden „eine stärkere organisatorische Verbindlichkeit unter den Mitgliedkirchen und mit dem SEK“ oder ein SEK an der Spitze des Schweizer Protestantismus. Die bisherige Kompetenzverteilung zwischen selbständigen Mitgliedkirchen und dem Kirchenbund, der sie auf der nationalen Ebene vertritt und unter ihnen verbindend wirkt, wird mehrheitlich als angemessen erachtet. Sowohl die Stärkung des SEK wie vermehrte Eigenständigkeit der Mitgliedkirchen findet weniger Zustimmung. Der SEK soll die Mitgliedkirchen in ihren Tätigkeiten unterstützen und fördern, ohne sie forsch herauszufordern, und ihre gemeinsame Identität stärken. Geschätzt werden von den Kirchenleitenden vor allem die thematischen Inputs und Stellungnahmen, die der SEK abgibt, und seine Öffentlichkeitsarbeit für die Reformierten. Der SEK-Rat versteht die Antworten als Ausdruck grossen Vertrauens „in die Art und Weise, wie der SEK seine strategische Verantwortung gegenüber den Mitgliedkirchen versteht“. Weiter schreibt er: „Sehr breit ist das Bewusstsein, dass alle miteinander Kirche sind, und dass eine stärkere Verbindlichkeit unter den Mitgliedern und mit dem SEK hohe Priorität hat. Gleichzeitig wird klar die Befürchtung zum Ausdruck gebracht, „dass der SEK sich als ‚Spitze‘ des Protestantismus ohne den Einbezug der Mitgliedkirchen vorstellt“. Am beliebtesten sind laut SEK-Rat jene Leistungen des SEK, „die das Wirken der Kirche in der Politik und Gesellschaft zum Ziel haben sowie jene, welche die Vertretung der Interessen und Anliegen der Mitgliedkirchen nach aussen, sei es gegenüber dem Bund oder den konfessionellen Organisationen, betreffen“. Aussensicht: „Zugehörigkeitsgefühl erodiert“ Der SEK-Rat hat auch eine Aussensicht in den Bericht aufgenommen. Eine „Umfeldanalyse, 2008 von den Lausanner Religionssoziologen Jörg Stolz und Edmée Ballif erstellt (und noch nicht veröffentlicht), wird zusammengefasst. Die Verfasser sprachen mit Kirchenverantwortlichen und zudem mit Experten; sie werteten auch Literatur und kirchliche Dokumente aus. Die Umfeldanalyse mündet in alarmierende Feststellungen, die zusammengenommen das Ende der bisherigen reformierten Normalität bedeuten. „Noch ganze 10% der Reformierten besuchen jeden Sonntag, die Kirche, davon sind 60% über 70 Jahre alt!“ Bis 2040 dürfte die Zahl der Mitglieder um mindestens ein Drittel schrumpfen. Angesichts der Erosion des „Zugehörigkeitsgefühls zur reformierten Kirche“ und des Bedarfs an einsatzwilligen Personen scheint den Verfassern „der Fortbestand der reformierten Kirche nicht gesichert“. |
| Mehr: Was auf die Reformierten zukommt Quelle: Der SEK-Bericht „Für einen Kirchenbund in guter Verfassung“ Zurück zu Kirchen und SEK |