| Intensität statt Echtheit, Job statt Beruf: Dem Zeitgeist auf der Spur ist der Emmentaler Pfarrer und Autor Alex Kurz. Er hat über die Herausforderungen der Postmoderne doktoriert: wie die Kirche das Evangelium austeilen kann, ohne dass daraus ein Lifestyle-Produkt wird. Wir fragten ihn, wie die Postmoderne zu fassen ist. LKF: Wie ‚schmeckt‘ Postmoderne? Alex Kurz: Für modern geprägte Geschmacksnerven wie einer jener süffigen Sommerdrinks: leicht, frisch, ein wenig bitter und in der Wirkung potenziell gefährlich. Was unterscheidet postmoderne Lebensstile von modernen? Postmoderne Lebensstile demontieren die unterschwelligen Motive hinter allem, was den modernen heilig war, und ziehen allenfalls die Konsequenzen daraus. Also: Beziehungskiste statt grosser Liebe, Job statt Beruf, Selbstverwirklichung statt Dienst, Machtspiele statt Machtkämpfe, Intensität statt Echtheit... weil es (aus postmoderner Sicht) schon immer mehr um Letzteres als um Ersteres ging. Was wird in der Postmoderne anders für die Kirchen? Kirchen müssen lernen, dass sie nicht mehr evangelisieren (d.h. an Bekanntes appellieren) können, sondern wieder missionieren (d.h. Unbekanntes entschlüsseln) müssen. Die Botschaft ist nicht mehr selbstredend. Wir müssen z.B. aufzeigen, warum wir die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders zum Leben brauchen und weshalb es sich befreiend auf Glaubende auswirkt. Danach aber gilt es auch zu bekennen, dass es nicht einfach die funktionalen Auswirkungen sind, die uns zum Glauben an Jesus führen, sondern umgekehrt. Was sollten die Kirchen anders machen? Wo sehen Sie Chancen und Gefahren? Als Christen können wir ein herrliches Stück Gegenkultur zum Markt leben und werden gerade dadurch die spirituelle Logik gegen die herrschende Marktlogik plausibel und attraktiv machen, also z.B. den einen Verlorenen dezidiert den 99 Gefundenen vorziehen, den Blick wecken für das Grössere Gottes, Christus als denjenigen bekennen, der uns aus der Wertigkeit des Marktes erlöst... Die Formen sind sekundär. Die Gefahren bestehen darin, dass sich Kirchen entweder vom Markt abschotten oder aber seiner Logik erliegen, Gemeinde wie ein Unternehmen aufziehen und aus dem Evangelium ein Lifestyle-Produkt machen. |
| Alex Kurz an der LKF-Tagung: „Aussenseiterkirche mit Ausstrahlung“ Zurück zu Tagungen |