Aargauer Kirche erlaubt mehr Werktagsgottesdienste

Gottesdienste müssen nicht mehr an jedem Sonntag stattfinden. Und Eltern können ihr Kind in einem persönlichen Gottesdienst taufen lassen und die Paten frei wählen.

Die Aargauer Synode hat am 2. Juni in Baden Bestimmungen der Kirchenordnung zu Gottesdienst und Taufe geändert. Der Kirchenrat hatte dies beantragt. Die örtlichen Kirchenpflegen können neu beschliessen, dass jährlich maximal zwölf Gemeindegottesdienste statt sonntags an einem Werktag stattfinden und zwei ganz ausfallen. Sechs Mal pro Jahr kann der Gottesdienst mit einer Nachbargemeinde zusammenlegt werden, ohne dass die Kirchgemeindeversammlungen dies beschliessen müssen.

Nach Diskussionen im Vorfeld war die neue Regelung, dass Eltern die Taufpaten frei wählen können, egal ob sie konfessionslos sind oder einer anderen Religion angehören, im Kirchenparlament unbestritten.

Künftig können Taufen in individuellen, persönlichen Gottesdiensten mit Verwandten und Freunden der Familie, sogenannten Kasualgottesdiensten, stattfinden. Auf Antrag der Evangelischen Fraktion wurde bestimmt, die Taufe solle «in der Regel» in einem Gemeindegottesdienst stattfinden. Doch kann sie neu in einem speziellen Gottesdienst an jedem Wochentag und geeigneten Ort vollzogen werden.

Wer darf einen Gottesdienst leiten? Neu wird auch Sozialdiakoninnen und -diakonen ohne Laienpredigerausbildung erlaubt, «weitere Gottesdienste» etwa in Altersheimen, in Ferienlagern oder für Kinder zu leiten. Ausserdem sollen sie auch die Feier des Abendmahls leiten können, mit Zustimmung des Pfarramts, bei dem weiterhin die theologische Verantwortung für Gottesdienste liegt.

Die Pfarrerinnen und Pfarrer haben aber nicht die Freiheit, alle «geeigneten Personen» fürs Leiten von Gottesdiensten einzusetzen (Antrag der Evangelischen Fraktion abgelehnt).

Nach langer Diskussion wurde überdies beschlossen, dass Arbeitsverhältnisse in der Kirchgemeinde von mehr als 20 Prozent nicht mehr mit dem Amt eines ehrenamtlichen Mitglieds der Kirchenpflege vereinbar sind.

Die Kirchenordnung wurde nach Corona-Erfahrungen um eine «Notrechtsklausel» ergänzt, damit der Kirchenrat in ausserordentlichen Situationen befristete Massnahmen ergreifen kann. Vorbehalte gegen die vermutete Machterweiterung für den Kirchenrat, namentlich von der Evangelischen Fraktion geäussert, fanden wenig Gehör.

Quelle: Reformierte Kirche Aargau    Bild: Fritz Imhof